Fika

 In Lifestyle

Die Philosophie der bewussten Kaffeepause
Wussten Sie, dass schwedische Arbeitnehmer laut einer Studie aus dem Jahre 2010 als die weltweit am wenigsten gestressten gelten? Für uns Grund genug einen Blick in den hohen Norden zu werfen und uns dort ein wenig Inspiration zu holen.

Fika?
Die Fika ist in Schweden ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Alltags und auch eine feste Institution in der Arbeitswelt.

So beschreibt sie unter anderem die tägliche Kaffeepause gemeinsam mit den Kollegen. Als wichtiges Ritual im Arbeitsalltag umfasst die Fika mehrere Komponenten, nämlich das Trinken von gutem Kaffee, das Genießen von köstlichem Gebäck sowie den regen Austausch mit den Kollegen.

Dieses zusammen bietet eine hervorragende Grundlage für Kreativität und produktive Ideen, welche dem Unternehmen sehr dienlich sein können.

Holen wir ein bisschen aus – „Fika“ ist Substantiv und Verb zugleich, die meisten Schweden begehen ihre Fika wenigstens einmal, besser zweimal am Tag. Fika beschreibt den Genuss von Kaffee und Gebäck in Gesellschaft der Kollegen, aber auch für ein erstes Date kommt die Fika zum Einsatz.

Überhaupt ist sie eine hervorragende Gelegenheit, um soziale Kontakte zu pflegen; man unterhält sich bei Kaffee und Kuchen – nimmt sich entsprechend Zeit.

Schwedische Cafés und Konditoreien könnte man durchaus als eine Art „zweites Wohnzimmer“ betrachten, als „die gute Stube“, in welcher man seine Freunde und Bekannten zum Plausch trifft – oder eben seine Kollegen im Pausenraum.

Die Fika kostet nicht viel, sie schenkt neue Energie in Form von Kaffee und süßem Genuss; ihre Zeit ist zudem überschaubar.

Viel mehr als nur ein Muntermacher
Für uns geht nichts über eine schöne Tasse Kaffee, gemütlich und mit ausreichend Zeit, stilvoll aus geschmacksneutralem Porzellan getrunken.

Durch die bekannte Form der Kaffeetasse nimmt man das Aroma zusätzlich intensiv durch die Nase wahr und kann sich hierbei richtig schön auf das leicht nussige oder fruchtige Odeur seines „geliebten Tässchens“ konzentrieren.

Nun ist Kaffeetrinken nicht gleich Kaffeetrinken, nippt man ihn beispielsweise an einer stark befahrenen Straße unterwegs aus dem geschlossenen Pappbecher und hastet dabei eilig durch die Gegend, so hat das weniger mit Genuss oder Pause zu tun, denn auf diese Weise kann man sich nicht wirklich auf sein Getränk einlassen; man braucht vielleicht einfach nur einen schnellen Muntermacher.

Eine richtige Tasse Kaffee braucht ihre Zeit, doch Zeit scheint in einigen Ländern Europas ein immer knapperes Gut zu werden. Viele Menschen setzten sich für ihren Kaffee nicht einmal mehr ganz in Ruhe hin – hingegen nehmen sich die Schweden Zeit für Genuss, Getränk, Gebäck und Gespräch!

Noch ein Tässchen?
Einen aromatischen Kaffee genießt man am besten aus den frisch gemahlenen Kaffeebohnen zubereitet, auf diese Weise kann sich das volle Aroma entfalten und unsere Sinne verführen.

Besitzt man weder Kaffeemühle noch Vollautomaten, so kann man sich den Kaffee in einer Rösterei seiner Wahl frisch mahlen lassen; am besten wöchentlich und immer nur die Menge einkaufen, welche man über die Woche hinweg so trinkt.

Man schmeckt definitiv, dass frisch gemahlener Kaffee in der Zubereitung am ersten Tag am intensivsten schmeckt, sein Aroma nimmt von Woche zu Woche ein bisschen ab. Wer seinen Kaffee immer aus frisch gemahlenen Bohnen genießt, der möchte in der Regel nichts anderes mehr – man gewöhnt sich einfach an den wunderbaren Geschmack!

Kaffeepause auf Schwedisch
Die Schweden trinken ihren Kaffee ein wenig stärker als wir, die Fika ist ihnen von großer Bedeutsamkeit.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Pause ein elementarer Teil der Arbeit ist – denn wenn man sich in Ruhe hinsetzt, seinen Kaffee genießt und ungezwungen mit den Kollegen kommuniziert, so sammelt man in dieser Zeit nicht nur Kraft (und natürlich auch ein paar Kalorien), sondern sortiert seine Gedanken, tauscht sich aus und generiert neue Kreativität.

Eine Pause ist somit kein „notwendiges Übel“, sie schenkt uns wertvolle Minuten, und lässt unseren Geist neue Kraft tanken. Wir können unsere Sinne pflegen, gerne in einem inspirierenden Gespräch mit Kollegen! Das rüstet uns für die Weiterarbeit, macht Kopf und Gedanken frei für neue Ideen.

Die Pause ist keine „Zeitverschwendung“, sie ist eine Oase im Arbeitsfluss und schützt vor einem Overload.

Bei der Fika kommt zudem durch das gemeinsame Kaffeetrinken mit den Kollegen noch ein wichtiger sozialer Aspekt hinzu. Durch den regelmäßigen entspannten Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten lassen sich Konflikte oder Missstimmungen sehr viel leichter lösen.

Energie tanken
Menschen, die sich keine Pausen zugestehen, brennen womöglich schneller aus. Auch sollte eine Pause nach Möglichkeit nicht verwendet werden, um Nikotin zu konsumieren oder um Liegengebliebenes abzuarbeiten – eine Pause sollte bewusst und mit allen Sinnen zelebriert und Belastendes für den Moment ausgeklammert werden.

Eine schöne gemeinsame Tasse Kaffee zusammen genossen mit beispielsweise einer duftenden Zimtschnecke schenkt Kraft und setzt Impulse für neue Ideen und konstruktive Problemlösungen.

Man nimmt sich mit seiner Pause quasi aus dem Arbeits-Szenarium heraus und bringt seinen Geist auf eine andere Ebene. Wenn sich dabei das Aroma von Kaffee und Zimtgebäck in den Nebenhöhlen ausbreitet, so kann dies äußerst kreative Gedanken hervorrufen, auch wenn man sich gerade in einem Gespräch befindet. Gedanken sind wie elektrische Impulse.

Kleines Meeting mit Genuss
Wir wissen also nun, dass es im schwedischen Arbeitsalltag selbstverständlich ist, dass man sich am Vormittag (manchmal auch am Nachmittag) mit seinen Kollegen und Chefs im Pausenraum trifft und gemeinsam seinen Kaffee trinkt und sich dabei unterhält.

Der Kaffee geht meist aufs Haus, das Arbeitsteam inklusive Chef bringen stets im Wechsel Gebäck bzw. Kuchen mit.

Wie immer gibt es im Berufsalltag viel zu besprechen; die Gesprächsthemen während der Fika sind vielfältig und umfassen Geschäftliches wie auch Privates, Firmenbericht oder Betriebsausflug.

Interessant zu wissen ist auch, dass die Fika ein Teil der Arbeitszeit ist, im Prinzip eigentlich ein kleines tägliches Meeting, garniert mit Zimtschnecken, kalter Hund, Mazarin Törtchen oder duftenden Kipferl.

Pause mit Mehrwert
Auf uns Deutsche wirkt es vielleicht ein wenig eigenartig, dass bei der Arbeit einmal oder zweimal täglich ein gemeinsamer kleiner Kaffeeklatsch zelebriert wird, doch darf man nicht vergessen, dass während der Fika oft relevante Themen rund um die Arbeit besprochen sowie Informationen ausgetauscht werden; Verbesserungen überlegt und auch das eine oder andere Missverständnis ausgeräumt wird.

Über 60 Prozent der Schweden sind übrigens überzeugt, dass durch die gemeinschaftliche Kaffeekonferenz effektiver und innovativer gearbeitet wird. Auch Studien belegen, dass bewusste Pausen auf Firmenkosten nicht etwa zu unproduktiven Zeiten führen, sondern ganz im Gegenteil, sogar dir Effizienz steigern.

Übrigens muss es nicht ausschließlich Kaffee gereicht werden, Fika funktioniert mit Tee oder anderen Köstlichkeiten ganz genauso gut.

Ein Blick in die Vergangenheit belegt, dass die Fika Tradition ist. Bereits vor 150 Jahren versorgten freundliche Unternehmer ArbeiterInnen wie Erntehelfer oder Waschfrauen mit Kaffee und Kuchen zur Stärkung und Erfrischung.

Das Leben besteht ja aus Geben und Nehmen und wir können uns durchaus vorstellen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter durch diese Art der Zuwendung eine besondere Wertschätzung erfuhren und ihrem Arbeitgeber somit eher treu geblieben sind – ein Gewinn für beide Seiten!

Ist für uns die süße Kaffeepause heute selbstverständlich, so waren in der Vergangenheit Kaffee und Zucker bis zum Zeitalter der Industrialisierung ausschließlich wohlhabenden Leuten vorbehalten und für die arbeitende Bevölkerung ein fernes Luxusgut, das es – wenn überhaupt – nur an Weihnachten oder zu besonderen Anlässen gab.

Kaffee und Zucker waren für die normale Familie schlichtweg unerschwinglich und zogen als Lebensmittel erst nach und nach in die Haushalte ein.

Heute weiß inzwischen jeder, dass Zucker für die Gesundheit nicht gerade förderlich ist, trotzdem haben viele Menschen in allen Nationen nach wie vor eine große Vorliebe für köstlichen Kuchen, der gemeinsam mit der eher bitteren Note von Kaffee einen herrlichen Geschmackskontrast bildet und Kaffee und Kuchen kulinarisch gerade deswegen so gut zusammenpassen.

Abgeschaut
Bewusste Pausen in unserem Arbeitsalltag sind also von unschätzbarem Wert – kombiniert mit Kaffee und Gebäck ungleich wertvoller. Deshalb zum Abschluss all die lohnenswerten Vorteile der Fika noch einmal zusammengefasst:

  • motivierte Mitarbeiter
  • reger Informationsaustausch
  • entspanntes Kommunikationsklima
  • gestärkter Teamgeist
  • erhöhte Leistungsfähigkeit
  • rasche Konfliktlösung
  • kreative Ideen
  • weniger Stress

und natürlich

  • köstlicher Kaffee mit Gebäck

Weshalb probieren Sie die Fika in Ihrem Unternehmen nicht einfach mal aus? Wir machen es schon wie die Schweden und sagen deshalb „Låt det smaka dig” – lassen Sie es sich schmecken!

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