Hygge

 In Lifestyle

Herrlich hyggeliger Herbst

Über den Herbst in diesem Jahre kann man sich wahrlich nicht beschweren; nachdem der goldene Oktober ein milder und verlängerter Ausläufer des Sommers gewesen ist und auch der November bis Monatsmitte noch von blauem Himmel und Sonne begleitet wurde, beginnt nun laut Wetterdienst der echte Herbst – mit Nebel, Feuchtigkeit und Kälte.

Die wärmenden Wollpullover werden aus der Kommode hervorgeholt, man kuschelt sich ein in wärmenden Strick und Fleece und macht es sich zunehmend zu Hause gemütlich. Ein paar stimmungsvolle Teelichter, eine heiße Schokolade, ein bisschen Musik zur Entspannung sowie ein Buch – gemütlicher kann man den Feierabend wohl kaum einläuten.

In einem behaglichen Outfit macht man es sich auf der Couch gemütlich, gerne in Decken eingehüllt zu seiner Lieblingsserie – in der kalten Jahreszeit ist das die hyggelige Krönung eines dunklen, kräftezehrenden Tages … hyggelig?

Bestimmt haben Sie in letzter Zeit bereits von „Hygge“ gehört, wenngleich vielleicht auch mal nur so nebenbei – möglicherweise im Vorübergehen aufgeschnappt, die Überschrift eines Magazins oder ein Beitrag im Radio? Hygge (ausgesprochen Hügge) hat inzwischen ganz offiziell und einsehbar seinen Platz im deutschen Duden eingenommen. Doch was genau bedeutet Hygge eigentlich?

Blicken wir nach Norden. Unsere dänischen Nachbarn belegen schon seit Jahren immer wieder einen der vordersten Ränge, wenn es darum geht das „glücklichste Volk der Welt“ zu küren. Doch was machen die Dänen anders als wir?

Dänemark liegt ja auf dem Globus von uns aus gesehen quasi „um die Ecke“ und während Deutschland in Sachen Glücklichsein um Platz 15 rangiert, scheinen die Dänen, obgleich sie nicht gerade in einem sonnenverwöhnten Land wie Spanien oder Portugal leben, so ungleich glücklicher zu sein als wir.

Die ersten drei Ränge teilen sich die Dänen übrigens mit Finnland und Norwegen. Was also ist die geheime Zauberformel der Skandinavier, besonders der Dänen? Die Antwort lautet „Hygge“.

„Hyggelig“ als Adjektiv

„Hyggelig“ – das klingt doch schon irgendwie ein bisschen nach dem, was damit gemeint ist. Das deutsche Wort „heimelig“ trifft es vielleicht noch am ehesten, wenngleich auch nicht hundertprozentig.

Wer „Hygge“ lebt, ist „hyggelig“. Allein der Klang dieses Eigenschaftswortes lässt die Mundwinkel schmunzelnd nach oben wandern, was übrigens auch das Geheimnis hinter Hygge bedeutet: Hygge schafft gute Laune! Und das Gute ist, hyggelige Momente lassen sich ganz leicht schaffen und in den Alltag integrieren.

Eine genaue Übersetzung des Begriffes existiert übrigens nicht so richtig, stattdessen werden ihm verschiedene Bedeutungen zugeschrieben, wie z. B. angenehm, gemütlich, gut, behaglich, wirtlich, wohlig, nett, heimelig, warmherzig, lauschig, tiefenentspannt, u. v. m.

Der Hygge-Faktor

Wer sich mit Hygge befasst, kommt an Kerzen nicht vorbei – Kerzenlicht zaubert im Nu eine warme und heimelige Atmosphäre. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass die Dänen Europameister im Kerzenverbrauch sind – 4,3 kg Wachs werden dort im Jahr durchschnittlich pro Kopf verbraucht.

Doch nicht nur Kerzen, Licht ganz allgemein ist ein wichtiger Teil von Hygge, viele kleine Lampen tauchen einen Raum in angenehm warmes Licht und sorgen so für Gemütlichkeit.

Auch Süßigkeiten aller Art haben in Dänemark einen hohen Stellenwert. Mit kleinen Belohnungen – ein köstlicher Kuchen, ein vollmundiges Stück Schokolade, dazu ein heißer Kakao mit Marshmallows – wird es besonders hyggelig.

Hygge bedeutet das Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und Schutz. Deshalb gilt auch die Faustformel: Je ungemütlicher es draußen ist – kalt, dunkel, stürmisch – umso hyggeliger ist ein warmes Plätzchen.

Und tatsächlich können wir Hygge auch fühlen, sehen, hören, schmecken und riechen:

  • Fühlen – Geborgenheit, Behaglichkeit
  • Sehen – Kerzenschein, gedämpftes Licht
  • Hören – knisterndes Kaminfeuer, Regentropfen auf der Fensterscheibe
  • Schmecken – Süßigkeiten
  • Riechen – Holz, Tannennadeln

Hygge steht dafür, dass man das Leben auch durchaus mit einfachen Mitteln genießen und auskosten kann, denn um wirklich glücklich zu sein, braucht es nicht viel, ganz im Gegenteil.

Entspannte Geselligkeit

Nicht zu unterschätzen ist der soziale Aspekt der dänischen Behaglichkeit. Obwohl man Hygge auch sehr gut allein genießen kann, zum Beispiel an einem regnerischen Sonntagnachmittag mit einem guten Buch auf der Couch, so verbringen wir die hyggeligsten Momente doch gemeinsam mit engen Freunden oder der Familie.

In einer warmen, angenehmen Atmosphäre unter vertrauten Menschen, bei denen wir ganz wir selbst sein können, niemand im Mittelpunkt steht, alle aufeinander Rücksicht nehmen, lässt es sich prima gemeinsam entspannen.

Kommt man nach vielen Stunden an der frischen Luft – sei es auf der Skipiste, beim Spaziergang mit den Hunden oder nach der Schlittenfahrt mit den Kindern – zurück in die wohlige Wärme eines Zuhauses, zu müde zum Reden und einfach nur still die Gesellschaft der anderen genießt, dann ist das Hygge. Nur ein Gewitter könnte einen solch perfekten Augenblick noch hyggeliger machen. 😉

Sommerliches Hygge

Natürlich existiert Hygge nicht nur in der dunklen Jahreszeit, obwohl unser Bedürfnis nach Behaglichkeit dann sicher am größten ist, auch der Sommer bietet ganz wunderbare hyggelige Möglichkeiten.

Im Sommer geht es vor allem darum die Sonne, die Wärme und die Natur zu genießen, den Duft von frisch gemähtem Gras tief einatmen, ein Buch im Schatten eines Baumes lesen, mit engen Freunden beim Grillen und einer Runde Krocket den Tag ausklingen lassen.

Der Hygge-Notfallkoffer

Wenn es mal hart auf hart kommt, ein langer anstrengender Tag im Büro, eine unerfreuliche Nachricht, Ärger mit den Liebsten, dann empfehle ich den Hygge-Notfallkoffer. Die benötigten Utensilien sind schnell beisammen und geben uns auch in dunklen Stunden ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit.

  • Als aller erstes brauchen wir natürlich Kerzen – kein Hygge ohne Kerzen 😊
  • Schokolade – nicht ohne Grund wird behauptet, dass Schokolade glücklich macht
  • Lieblingstee – oder ein anderes Heißgetränk (wahlweise auch mit Alkohol)
  • Lieblingsbuch oder Lieblingsserie
  • Gute alte Wollsocken für den Kuschelfaktor
  • Eine warme Decke – und ab auf die Couch!

Bei mir wirkt’s – eingekuschelt bei schummrigem Kerzenlicht, den Tee in der Hand, die Schokolade in Reichweite und dabei eine Folge Downton Abbey – so sind Sorgen schnell vergessen und es breitet sich ein wohliges Gefühl aus.

Der Schlüssel zum Glück

Zum Glück der Dänen, und der übrigen skandinavischen Völker, tragen sicherlich auch der gute Wohlfahrtsstaat, die geringe Arbeitslosigkeit, ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem, die familienfreundliche Arbeitswelt und der allgemeine Wohlstand bei.

Alles Faktoren um die es bei uns in Deutschland auch gar nicht so schlecht gestellt ist. Weshalb also sind wir nicht annähernd so glücklich wie die Dänen? Und das sogar bei deutlich besserem Wetter und mehr Sonnenstunden?

Vielleicht ist Hygge das ausschlaggebende Element, die Zutat, die den Unterschied macht und uns insbesondere während der dunklen, nassen und kalten Herbst- und Wintertage ein wenig „Glück“ schenkt.

Es darf gehyggelt werden 🙂

Wir wissen nun: „Hygge“ umschreibt im Prinzip alles, was in uns ein Wohlgefühl auslöst. Das kann die entspannt genossene Tasse Kaffee oder die Kanne Grüntee sein, die man nach Feierabend völlig relaxed auf dem warmen und kuscheligen Sofa genießt.

Das gemütliche Beisammensein mit Freunden zu einem schönen Spieleabend, gemeinsames Kochen und anschließendes Essen mit der Familie an einem schön gedeckten Tisch – es sind die einzigartigen Momente, die uns kurz innehalten lassen und in denen wir das Leben genießen.

Auch Seelennahrung (engl. Soul food) gehört dazu und kann bedeuten, dass man ein spannendes Buch liest, sich einen schönen Film oder eine umwerfende Naturdoku ansieht, dass man also in dieser Zeit genau das tut und sich das gönnt, was man liebt und von ganzem Herzen genießt.

Die Umgebung spielt hierbei eine große Rolle, zu einer hyggeligen Stimmung passt gemütliche und kuschelige Bekleidung. Wenn zudem Ihr Sofa wie eine Kissen-Oase aussieht und flauschige Wolldecken bereit liegen, dann haben Sie es bereits hyggelig! Vielleicht wussten Sie das bisher gar nicht?

Ein hyggeliges Heim

Alles, was schön ist und das Herz erfreut. Genießen Sie bewusst die kommenden, kälter werdenden Tage und machen Sie es sich behaglich und gemütlich.

  • ein Kamin ist das ultimative Hygge-Highlight! Jedoch tun es auch Teelichter, im Konvolut aufstellt.
  • die Dänen lieben ihren Hyggekrog – eine gemütliche Ecke, gerne am Fenster, ausgestattet mit flauschigen Kissen und Decken – ein Ort der zum Verweilen einlädt.
  • Naturmaterialien – natürlich alles aus Holz, aber auch Leinen, Leder und Rattan.
  • alle Bücher sind hyggelig – Klassiker zum Beispiel von Jane Austen, Leo Tolstoy oder Charles Dickens ganz besonders.
  • bequeme Kleidung – der viel zitierte „Schlabber-Look“. Weite und kuschelige Kleidung zum Wohlfühlen.
  • schöne Kissen mit samtig weichen Bezügen und flauschige Wolldecken, gern mehrere.

Kommen Sie hyggelig durch die herbstlichen Tage – bis zum nächsten Mal 🙂

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