Steuerplanung mit Köpfchen

 In Tipps

Wissenswertes rund um das Thema Steuerplanung

Wenn es um Steuernachzahlungen geht, werden Steuerberater*innen häufig als die Überbringer schlechter Nachrichten betrachtet. So mancher Unternehmer scheut deshalb gar den Kontakt zu seinem persönlichen Steuerberater oder schiebt die Einreichung der Unterlagen viel zu lange vor sich her.

Dabei ist es mit der richtigen Herangehensweise nur halb so schlimm. Ganz nach dem Motto „Gut vorbedacht – schon halb gemacht“.

Wir alle müssen Steuern zahlen, selbst der Steuerberater/die Steuerberaterin ist hiervon nicht ausgenommen. Beide verfügen jedoch über das entsprechende Wissen, sodass eine Steuernachzahlung für uns nicht wie aus heiterem Himmel über das Unternehmen einprasselt.

Eine gute Planung ist hier wirklich Gold (und Geld!) wert, sie spart Zeit und Nerven und gibt das gute Gefühl, nichts vergessen und keine Fristen versäumt zu haben, Steuerzahlungen stets einkalkuliert zu haben und vor allen Dingen ruhig schlafen zu können, weil da nachts kein kleiner Kobold mehr auf dem Kopfkissen sitzt, der ständig flüstert: „Du musst Dich noch um Deine Steuer kümmern… Du musst Dich noch ganz schnell um Deine Buchhaltung kümmern! Das wird teuer … Oh, wird das teuer, so viel Geld! Den neuen Dienstwagen kannst Du knicken und der ist schon bestellt …“

Wer kann da noch selig schlummern? Um Steuern kommen wir nicht herum, es hilft alles nichts. Also die „Flucht nach vorne“ – angehen. Ärmel hochkrempeln und es angehen.

Prokrastination – ein schlechter Ratgeber

Das Jahr ist vorbei, angehäuft haben sich kistenweise Zettel und Belege. Im besten Fall sind sie nach Datum, Einnahmen und Ausgaben sortiert sowie abgeheftet, im schlimmsten Fall ist alles durcheinander.

Rechnungen und Kaufbelege liegen in einem ausrangierten Schuhkarton zwischen achtlos hineingeworfenem Bonbonpapier und einer zerkauten Aufziehmaus für Katzen … Auch eine volle Kaffeetasse durfte schon Bekanntschaft mit den Belegen machen, die zwar danach auf der Fensterbank ausgebreitet getrocknet wurden, jedoch immer noch nach Kaffee Crema duften. Okay, das ist jetzt der worst case – aber auch schon vorgekommen.

Wenn Belege zu spät sortiert werden, verliert man einfach immer den Überblick. Man wollte eigentlich bestimmt auch noch einige Dinge für den Arbeitsplatz kaufen und hätte diese gegenrechnen können, doch das muss nun ins nächste Jahr verschoben werden.

Der Steuerberater wird‘s schon richten …

Rafft man sich nun auf, die gesammelten Werke dem Steuerberater zur Verfügung zu stellen, geht dies meist einher mit dem unguten Gefühl, es könne zu einer erheblichen Steuernachzahlung kommen. Manch einer lebt lieber ein bis zwei Jahre lang im Ungewissen, verbunden mit dem Fünkchen Hoffnung es möge schon nicht so schlimm werden, als sich frühzeitig der Realität zu stellen und mit Unterstützung des Steuerberaters das Beste daraus zu machen.

Schließlich kommt der Tag der Bilanzbesprechung, der Steuerberater berichtet freudestrahlend von einem guten Geschäftsjahr und einer damit verbundenen (kleinen) Nachzahlung und nun entlädt sich all die angestaute Ungewissheit in einer unfairen Erwartungshaltung. „Eine Steuernachzahlung, das darf nicht sein! Sie sind mein Steuerberater, lassen Sie sich was einfallen!“

Klar, her mit Zauberstab und Zauberbuch, das kriegen wir doch alles reguliert … Spaß beiseite, im Nachhinein lässt sich da wirklich wenig machen. Klar, die ein oder andere Stellschraube gibt es noch, aber letztlich bedeutet dies häufig nur eine Verschiebung der Steuerlast in Folgejahre.

Für uns gilt ganz klar: Wer seinen Steuerberater nur einmal im Jahr aufsucht (meist mit einem ganzen Blätterwald an Dokumenten), muss unterjährig selbst den Überblick behalten, was beim Erledigen der täglichen Arbeit mitunter sehr schwerfällt. Der Tag hat 24 Stunden, daran lässt sich nicht rütteln.

Steuernachzahlungen kann man übrigens auch durchweg positiv bewerten. Das Unternehmen ist so erfolgreich (zumindest erfolgreicher als in den Vorjahren), dass auch das Finanzamt an diesem Erfolg partizipieren möchte.

Das bedeutet: Wenn Sie Steuern nachbezahlen müssen, habe Sie auch höhere Gewinne erwirtschaftet. Haben Sie das schon einmal von dieser Seite gesehen? Sie haben z. B. mehr Umsatz gemacht, mehr Kunden gewonnen, günstig Waren eingekauft – was auch immer.

Letztendlich ist es ist positiv für Sie, Sie gehören damit zu den Leistungsträgern der Gesellschaft, die einen funktionierenden Staat erst möglich machen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, den man nicht vergessen sollte.

Für uns als Steuerberater*innen sind Steuererstattungen deutlich alarmierender. Denn für uns kann das auch bedeuten: Dem Unternehmen geht es nicht gut, der Überschuss fällt geringer als in den vergangenen Jahren aus oder es ist sogar ein Verlust zu verzeichnen. Auch das Finanzamt hat schon Mitleid und unterstützt mildtätig mit einer Steuerrückerstattung 😉

Maß halten

Allerdings sollten Sie natürlich nicht mehr Steuern zahlen als unbedingt nötig (und gesetzlich vorgegeben) und Steuernachzahlungen zur Unzeit (zum Beispiel in umsatzschwachen Phasen) sollten vermieden werden. Ebenso gilt es, Nachzahlungen für gleich mehrere Jahre zu verhindern (dies passiert immer dann, wenn Steuererklärungen sehr spät eingereicht werden und tut im Portemonnaie ganz schön weh).

Wie kann man dies erreichen? Das Zauberwort lautet „Steuerplanung“. Dafür braucht es keinen Zauberstab und kein Zauberbuch, sondern – logisch erklärbar – einfach nur eine gute und aufgeräumte Planung.

Unsere Mittel gegen den (Steuer)Frust:

  • Ein zeitnaher Jahresabschluss: Sie sollten Ihren Jahresabschluss oder Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung so früh wie möglich nach dem Geschäftsjahresende erstellen lassen. Dann wissen Sie klipp und klar über die steuerlichen Konsequenzen Bescheid und können Nachzahlungen in das Budget einplanen. Die Steuererklärungen müssen übrigens nicht sofort beim Finanzamt eingereicht werden, auch dies lässt sich planen.
  • Unternehmensplanung: Anhand des Jahresabschlusses planen wir mit unseren Mandanten das aktuelle Geschäftsjahr. Wie wird sich das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr entwickeln? Welcher Unternehmensbereich läuft bereits richtig gut? Wo findet sich noch Optimierungsbedarf? Die aktuelle Steuerlast wird auf dieser Basis gleich mit eingeplant.
  • Unterjähriges Controlling: Noch mehr Sicherheit gewinnen Sie, wenn Sie Ihre Unterlagen dem Steuerberater monatlich oder zumindest vierteljährlich zur Verfügung stellen. Dieser verbucht Ihre Geschäftsvorfälle zeitnah und Sie können anhand einer laufenden Hochrechnung (Forecast) bereits unterjährig die zu erwartenden Steuerzahlungen abschätzen und ggf. Vorauszahlungen anpassen (oder anderweitige Rücklagen bilden).

Wer den Überblick hat, muss die Steuer nicht fürchten – ist immer mit allem „nahebei“ und kann sich entspannt zurücklehnen und Feierabend und Freizeit genießen.

Etwas zum Schmunzeln aus der globalen Steuerwelt

Über Steuern schmunzeln? Ja doch – das geht!

Als kleines Bonbon zur Aufmunterung nach diesem emotional schwierigen Thema informieren wir Sie nachfolgend ein wenig über absurde Steuern, die in der Welt gezahlt werden müssen/mussten.

  • Die Hexensteuer: In Rumänien zahlen Hexen und Wahrsager Steuern! Wenn Sie also in Rumänien künftig mit Glaskugel-, Hand- und Kaffeesatzlesen ihre Brötchen verdienen möchten, müssen Sie seit 2011 Steuern bezahlen; das war nämlich das Jahr, in welchem „Hexe“ zu einem legalen Beruf erklärt wurde. Wo war doch gleich der Zauberstab? …
  • Die Fettsteuer: Von 2011 bis 2012 hatte Dänemark eine Fettsteuer. Alle Lebensmittel, die einen Anteil von mehr als 2,3 Prozent gesättigte Fettsäuren (die ungesunden) enthielten, mussten extra versteuert werden. Beispiele: Butter, Vollmilch, Fertigpizza. Dahinter stand der Plan, dass die Verbraucher weniger gesättigte Fettsäuren verzehren sollten, und das ausgerechnet in dem Land, aus dem der beste Frischkäse kommt … Das hatte zur Folge, dass die Dänen, die sowieso schon recht tief für ihre Lebensmittel in die Tasche greifen müssen, zum Shoppen nach Deutschland fuhren und ihren exportierten Frischkäse beim deutschen Discounter günstiger als Zuhause kaufen konnten.
  • Die Luftsteuer: Atmen ist in Österreich steuerfrei, doch einige Gemeinden in der Steiermark und Tirol nehmen eine Luftsteuer ein. Gemeint ist damit, dass an Häusern befestigte Automaten wie Kaugummi- oder Zigarettenautomat, welche über den Gehweg ragen und so Platz vom öffentlichen Areal beanspruchen, einer Steuer unterliegen. Auch Werbetafeln oder Markisen von Läden sind davon betroffen.
  • Die Bartsteuer: Der moderne Mann von heute mit seinem imposanten Bartwuchs (beispielsweise der Lumber Hipster) hätte in Russland 1698 ordentlich Steuerkopeken zahlen müssen. Kein Geringerer als Peter der Große war es, der sich seinen Staat westlicher und moderner wünschte und mit einer Bartsteuer, die sich nach dem gesellschaftlichen Stand des Barträgers richtete, wahrscheinlich heimlich erhoffte, dass die Männer zum Rasierpinsel greifen würden. Wohlhabende Kaufleute, die ihren sorgsam gezüchteten Rauschebart behalten wollten, mussten 100 Rubel Bartsteuer entrichten.
  • Die Spatzensteuer: Der gemeine Haussperling, ein Zivilisationsfolger, sättigt seinen Appetit gerne mit Saatgut – auch schon im 18. Jahrhundert. Wo Menschen sind, fällt eben immer irgendwas zu futtern ab – und wenn die Körner schon frisch auf das Feld gestreut werden, grenzte das (für Spatzen von damals) an Fastfood. Um den Bestand an Spatzen einzudämmen, dachte sich Herzog Karl Eugen von Württemberg Folgendes aus: Jeder seiner Untertanen sollte ab 1789 pro Jahr 12 lebende Spatzen einfangen, wer das nicht ableistete, musste eine Spatzensteuer zum Ausgleich bezahlen. Der heutige Spatz bevorzugt eher das Speisen im Straßencafé, der Trend geht eindeutig zu süßen Kuchenkrümeln 😉
  • In Frankreich gab es die Tür- und Fenstersteuer. Wer mag schon gerne in einer finsteren Behausung ohne nennenswertes Tageslicht wohnen? Die Franzosen taten es schließlich und mauerten zusätzlich noch einige Fenster zu, als im Jahre 1798 in der Grande Nation eine Tür- und Fenstersteuer beschlossen wurde, die tatsächlich bis 1926 abgeführt werden musste! Je heller und lichtdurchfluteter ein Haus oder eine Wohnung gewesen ist, umso höher wurde ihr Wert eingestuft. Viele Altbauwohnungen haben aus den damaligen steuerlichen Gründen deswegen noch ziemlich kleine Fenster und sind somit recht düster.
  • Aus den USA und interessant für Freunde der permanenten Körperverzierung: Die Tattoo- und Piercingsteuer. Unter dem Programm „Keep your Body natural“ muss man im US-Bundesstaat Arkansas nochmal 6 Prozent extra in die Rechnung mit einkalkulieren, wenn man sich ein Tattoo anfertigen lässt.
  • Die oft zitierte Gardinensteuer aus den Niederlanden, die dafür verantwortlich sein soll, dass die Niederländer aus Steuerspargründen mit nur sehr kurzen Gardinen ihre Fenster zieren, ist eine Sage und stimmt nicht 😉 Vielmehr möchte man (lt. Wikipedia) zeigen, dass man nichts zu verbergen hat.

Zum guten Schluss ein neuer Anfang

„Pläne machen und Vorsätze fassen bringt viel gute Empfindungen mit sich.“ – Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) deutscher Philosoph.

Liebe Leser, nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der (kuriosen) Steuern widmen wir uns wieder dem Hier und Jetzt. Es gibt wie immer viel zu erledigen, packen wir es an – doch wenn man dies stets regelmäßig und etappenweise angeht, dann ist es viel einfacher und damit vergleichbar, als würde man unterjährig lockere Maulwurfshügel mit der Schaufel abtragen, statt zum Jahresende einem massiven Berg zu Leibe zu rücken, dessen Erdreich sich schon verfestigt hat.

Unser neues Jahr ist schon nicht mehr ganz so jung, aber immer noch frisch genug, um sich neue Ziele zu setzen und gute Vorsätze zu fassen. Wenn Ihnen zum Jahreswechsel vor vier Wochen kein guter Vorsatz einfallen wollte oder Sie auf Ihrer Vorsatzliste tatsächlich noch freien Platz finden, so schlage wir Ihnen vor: Bleiben Sie am Ball in Ihren Steuerangelegenheiten! Dribbeln Sie Ihre Unterlagen elegant in die entsprechende Ablage und besuchen Sie regelmäßig Ihr Steuerberatungsbüro, wir Steuerberater freuen uns auf Sie.

Nehmen Sie sich vor, fortan zeitnah all ihre Unterlagen einzureichen, um alles Weitere kümmern wir uns für Sie. So wird Ihre Steuererklärung nicht zum Eigentor 😉

Die Tage werden endlich wieder länger und draußen beginnen frühmorgens die Amseln zu singen. Wir wünschen Ihnen eine schöne Vorfrühlingszeit und viel Elan für Ihre Arbeit und für Ihren soeben gefassten Neujahresvorsatz.
Herzlichst, Ihr Steuerberatungsbüro Everding + Schulz

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